Ein Tag in Kumasi

04.09.2026

Nach dem erfolgreichen Durchzählen sind wir fast pünktlich um 10:00 auf die Reise gegangen. Unser Guide, Nii, startet den Tag mit dem täglichen Proverb: „if you want to go fast, go alone – if you want to go far, go together“.

Die erste Etappe war einer der letzten zehn Asante Shrines bei Ejisu. Der Besease Traditional Shrine, ein UNESCO-Welterbe, ist ein materielles Zeugniss des Asante-Reichs. Der Shrine entstand um 1850 und gehört zu den wenigen erhaltenen traditionellen Asante-Bauten. Es steht im Zusammenhang mit Yaa Asantewaa und dem Widerstand gegen die Briten 1900. 

Ein Asante-Schrein ist nicht nur Architektur. Er verbindet religiöse Praxis, Herrschaft, Erinnerung und lokale Gemeinschaft. Damit wir die Geister nicht stören, klopfte der Guide vorsorglich dreimal auf die Tür, dann konnten wir den relativ kleinen Innenhof betreten. Die Aufteilung des Hauses richtet sich nach der sozialen und religiösen Funktion und unterscheidet sich daher von einem traditionellen Wohnhaus.

Der Innenraum (gyase) war für die Aufrechterhaltung der Oral Tradition wichtig. Hier wurde, um ein Feuer gruppiert, der Austausch zwischen den Gemeindemitgliederung, Chief und spirituellem Führer gepflegt. Der Guide betonte dabei außerdem die Bedeutung von Rhythmus und den Trommeln als Medium der Kommunikation und des Erinnerns.

„We don’t speak in words, we speak in sounds“.

Der Priester empfing hier seine Nachrichten von Gott. Der entsprechende Raum durfte nur vom Priester betreten werden und Evas Versuch des Eintritts wurde daher direkt unterbunden. Das Gebäude ist insgesamt erhöht gebaut. Eine Reaktion auf die Wassermengen der Regenzeit. Gleiches gilt für die sehr steilen, mit Palmblättern gedeckten, Dächer.

Manhyia Palace Museum

Weiter ging unsere Tour zum Manhyia Palace Museum. Es war eine recht lange Fahrt im Großraum von Kumasi, mit sehr dichtem Verkehr und einem wuseligen Umfeld.

Das Museum gehört zum Manhyia-Palast, dem Sitz des Asantehene. Zum Silberjubiläum von Otumfuo Osei Tutu II wurde es neu hergerichtet und öffnete am 1. Mai 2024 wieder.

In dem Museum befindet sich zurzeit eine Ausstellung mit dem Titel Homecoming. Gezeigt werden siebzehn Objekte aus dem Victoria and Albert Museum, fünfzehn aus dem British Museum und sieben aus dem Fowler Museum in Kalifornien. Es sind nur Leihgaben und von Restitution ist hier keine Rede. Wer die Objekte besitzt, bestimmt die Interpretation hinter den Artefakten.

Der wirklich ausführlich vortragende Guide erzählte uns viele Details aus dem Asante Leben, insbesondere rund um den königlichen Hof. So darf der König nicht den Boden berühren. Werden ihm die Slipper gestohlen, hat er seinen Titel verspielt. Seine Haare dürfen nur zu Hause geschnitten werden und das Essen wird ausschließlich von männlichen Köchen zubereitet. Dies soll Probleme in dem polygamen Haushalt vorbeugen. Die Frau sei das Blut und der Mann die Seele der Familie – das würde die Asante insgesamt auszeichnen.

Eine weitere Erwähnung mit Auswirkungen bis in die heute Zeit war der Land Bill Act von 1869. Hier wurde bei der Landvergabe der Bergbau (Gold) gegenüber den Farmern bevorzugt. Die damit verbundene Strategie und seine Folge sind bis heute nicht gelöst. Das betrifft insbesondere den illegalen Bergbau, der zu erheblichen Umweltproblemen führt. Korruption spielt hier eine wichtige Rolle.

Kumasi Fort und Ghana Armed Forces Museum

Das Fort in Kumasi wurde 1820 im Auftrag des Asantehene Osei Tutu Kwame gebaut, ausdrücklich den europäischen Küstenforts nachempfunden. Granit und Erde trugen Träger von der Küste bei Cape Coast bis hierher, rund zweihundert Kilometer landeinwärts. Die Briten zerstörten die Anlage 1874, errichteten sie 1897 neu und benutzten sie fortan gegen die Asante. Seit den frühen fünfziger Jahren ist sie das Museum der Armee.

Besondere Erwähnung, neben vielen militärischen Details, bekam hier, wie auch im vorhergenden Museum, Nana Yaa Akyaa. Sie sei die zentrale Person des Widerstands gewesen. Das wird in anderen Quellen durchaus in Frage gestellt. Auffallend ist ein Foto auf dem Sie ihre Brüste entblößen musste, um ihr Geschlecht zu beweisen. Diese sehr erniedrigende Darstellung wurde von beiden Guides trotzdem genutzt, um sie als stolze Frau zu charakterisieren.

Nicht unerwähnt bleiben soll die Performance des Guides. Die Geschwindigkeit seines Vortrags war beeindruckend.

Kumasi Cultural Centre

Die wurde Anlage 1956 als Asante Cultural Centre vom Asantehene Prempeh II eröffnet. Sieben Jahre später musste das Wort Asante aus dem Namen verschwinden. Nkrumah baute an einer ghanaischen Nation, und ein selbstbewusstes Königreich in ihrer Mitte passte schlecht in diesen Plan. Aus dem Asante Cultural Centre wurde das National Cultural Centre, seit 1990 heißt es Centre for National Culture.

Das Tempo des weiblichen Guides war hoch, konnte aber nicht mit dem Vorgänger mithalten. Dafür hat sie uns „Funta funal foo den che funal foo“ als Begriff für die mit nur einem gemeinsamen Magen ausgestatteten und um das Essen streitende Krokodile vermittelt.

Das Abendessen auf dem Gelände des weitläufigen Cultural Centers bildete einen schönen Abschluss des Tages.

Detlef Beyer und Richard Sammer