Bibliotheken und viel mehr

31.08.2026

Unser Tag began mit einem Besuch der George Padmore Library in Accra. Wir wurden willkommen geheißen beim Direktor der Bücherei. Dieser began mit einem kurzen Abriss der Beziehung zwischen Padmore und Nukhruma. Padmore wurde 1903 in Trinidad geboren und war ein bedeutender Journalist, Schriftsteller und Aktivist der panafrikanischen Bewegung. Er teilte mit Nukhruma die Vision der politischen und sozialen Befreiung Afrikas sowie für die internationale Vernetzung antikolonialer Bewegungen. Er wurde dessen Freund und politischer Berater. Nach der Unabhängigkeit zog er nach Ghana und arbeitete als offizieller Berater Nukhrumas in außenpolitischen und panafrikanischen Fragen. Nach seinem Tod im Jahr 1959 ließ Nkrumah in Accra eine Forschungsbibliothek zu seinen Ehren errichten.

Die George Padmore Research Library on African Affairs wurde am 30. Juni 1961 eröffnet und sammelte Bücher, Dokumente und Materialien zur afrikanischen Politik und Geschichte. Dort findet man einen Großteil der existierenden Dokumente von und über Nuhkruma. Theoretisch sollte jedes in Ghana publizierte Werk der Bücherei zugeführt werden, was aber in der Praxis nicht geschieht. Es bestehen Versuche die Einhaltung dieser Regel zu forcieren. In einer Frage und Antwortrunde wurden Probleme der Finanzierung der Bücherei durch den Staat und Privatpersonen diskutiert. Wie vielen anderen Büchereien mangelt es auch hier an Resourcen. Für eine Renovierung, mehr Raum für die Bücher, ca 2000 mehr pro Jahr, und mehr Personal zur Katalogisierung und Digatalsierung mangelt es an Geld. Probleme der Konservierung im feuchtwarmen Klima wurden diskutiert.

Nach einer Besichtigung der Bücherei besuchten wir das Grab von George Padmore im Garten der Bücherei.

Nach einer kurzem Busfahrt erreichten wir unser nächstes Ziel, die deutsche Botschaft. Nach einer ausführlichen Pass- und Personenkontrolle wurden wir von der stellvertretenden Botschaftsleiterin und dem Referenten für Wirtschaft, Kultur und Public Relations begrüßt. In einer kurzen Einführung bezeichnete die stellvertretende Botschaftsleiterin Ghana als Prioritätspartner Deutschlands, teils auch weil Ghana eine funktionierende  Demokratie ist. Das Motto des auswärtigen Amtes ist Freiheit, Sicherheit und Wohlstand und dieses Ziel soll unter Einbeziehung vieler Partner als Team Germany erreicht werden. Sie betonte die Beziehung zu Ghana als auf Augenhöhe mit wirtschaftlicher Kooperation und Vermittlung zwischen ghanaischen und deutschen Partnern. Weitere Bereiche waren Ausbildung und Vermittlung von Deutschkenntnissen . Themen der folgenden Diskussion waren Umgang mit dem Thema Sklaverei und Kompensation, Restitution, Weiterbildung ghanaischer Menschen in Ghana und Deutschland mit dem Problem des braindrains. Die Botschaftsleiterin führte aus, dass die Bundesrepublik der von Ghana eingebrachten UN Resolution den transatlantischen Sklavenhandel als das „schwerstes Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ einzustufen nicht zustimmen konnte, da eine Gewichtung von Verbrechen nicht hilfreich ist. Zur Restitution führte sie an, dass die politische Regelung einfacher ist als die Durchführung in der Praxis. Der Gefahr des braindrains ist sich die Bundesregierung bewusst, sieht aber vorrangig die Betrachtung von Einzelfällen. Nach einer sehr ausgiebigen Diskussionsrunde verabschiedeten wir uns.

Dem folgte eine wohlverdiente Kaffepause.

Besuch im ghanaischen Parlament

An die Besichtigung der Padmore Library schloß                  sich ein Besuch des ghanaischen Parlaments an, der vom Besucherservice des Parlaments organisiert wurde. Auffällig waren besonders die umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen und die Durchsetzung der einer Kleiderordnung, die auch einige Teilnehmern von der Besichtigung ausschloss. Die Führung durch das Hauptgebäude begann mit einer Besichtigung des Sitzungssaal und einer Schilderung der parlamentarischen Gepflogenheiten, die noch eine Ähnlichkeit mit britischen Verfahren erkennen lassen, wie zB. der Eröffnung der Sitzungen durch Einzug von Marshall mit Mace (zeremonielles Herrschaftssymbol) oder die Amtsbezeichnung „Speaker“ für den Sitzungsleitenden. Wegen Parlamentsferien fanden keine Sitzungen statt, so das es uns leider nicht möglich war, uns einen Eindruck davon zu bekommen. Danach sahen wir die Bibliothek des Parlaments, die Abgeordneten und ihren Mitarbeitern zur Recherche  dient.

Kofi Annan International Peacekeeping Training Centre (KAIPTC)

Aufbauend auf den umfangreichen Erfahrungen, die ghanaisches Militär und Polizei seit 1960 in friedenserhaltenden Missionen unter Mandat der UNO, ECOWAS und AU gesammelt haben, wurde das KAIPTC im Jahr 1998 gegründet und 2004 in Dienst gestellt. Die Finanzierung erfolgte zum großen Teil durch europäische Staaten. Das Ausbildungsangebot besteht aus einer Vielzahl praktischer Kurse aus den Themenfeldern Peace Support Operations, Conflict Management und Peace and Security Studies. Die Kurse werden für internationale zivile und militärische Teilnehmer angeboten. Zudem bietet KAIPTC Masters- und ein Phd-Programme an, u. A. einen Master in Gender, Peace and Security. Nach einer Führung über das Gelände und einer weiteren Bibliotheksbesichtigung, hatten wir die  Gelegenheit, ein sehr interessantes Gespräch mit Mitarbeiterinnen und der Leiterin dieses Programms zu führen. Das Programm richtet sich an weibliche und männliche Teilnehmerinnen und es wird großer Wert darauf gelegt, allen Absolventin*Innen eine Plattform für gegenseitige Unterstützung und Netzwerkbildung nach Abschluss des Masters zur Verfügung  zu stellen.

 

Jörg Niehoegen / Uwe Weber