Von Elmina nach Axim

Noch ein letztes Frühstück im wunderbaren Golden Hill Parker Hotel, dann machten wir uns auf den Weg nach Axim im Westen von Ghana. Die Hotelauffahrt war zu steil für den voll besetzten Bus, so dass wir bis zu den Becken für die Meersalzgewinnung zu Fuß gehen mussten. Als wir schließlich alle im Bus saßen, begrüßte uns Nii mit dem Proverb des Tages: „However long the night, the dawn will break.“ Schnell einigten wir uns auf die Interpretation, dass es immer Licht am Ende des Tunnels gibt. Allerdings gab es unterschiedliche Ansichten über den Wahrheitsgehalt dieses Proverbs. Gab es zum Beispiel für versklavte Menschen, die in der Festung von Elmina eingekerkert waren, jemals Hoffnung?

Und weiter ging es mit Niis Vortrag über die ghanaische Kultur. Heute waren Spiritualität und Begräbnisse das Thema. Wir erfuhren, dass Verstorbene, die älter als 70 Jahre waren, gefeiert wurden. Nur die Jüngeren wurden betrauert. Die Trauerfarben in Ghana sind schwarz und rot. Stirbt ein König, wird dessen Begräbnis erst von seinem Nachfolger organisiert. Das kann dauern. Begräbnisse beziehungsweise Totenfeiern sind eine aufwändige und teuere Angelegenheit, die den sozialen Status in der Gesellschaft verdeutlichen. Selbst das Engagement professioneller Weinender sollte überlegt werden, um dem Begräbnis einen würdevollen Rahmen zu geben. So eine Totenfeier zieht sich über mehrere Tage. Üblich ist auch das Aushängen von Postern der Verstorbenen. Wer jetzt noch glaubt, die verstorbene Person lebend zu sehen, weiß, dass es sich um einen Geist handelt. Nii unterstrich die ausgeprägte Spiritualität der Ghanaer durch Geschichten, die von Begegnungen mit  Geistern handelten. Er selbst hatte erst letzte Woche einen Geist gesehen: Er verspürte eine unnatürliche Kälte, als er mit dem Auto an einer Frau vorbeifuhr. Beim Blick in den Rückspiegel war die Frau verschwunden.

Nach dieser spannenden Einführung zur ghanaischen Spiritualität war unsere erste Station Fort San Sebastian, das die Portugiesen 1523 gegründet hatten. Auf dem Fort hielt Patrizia ihr Referat zu Anton Wilhelm Amo, da hier auch das Grab des Philosophen zu besichtigen war. Allerdings bleibt unklar, ob es sich wirklich um die letzte Ruhestätte von Amo handelt. Eine Erwähnung verdient auch die Toilette auf dem Fort San Sebastian, ohne jedoch Details zu nennen.

Und weiter ging es nach Sekondi. Dort statteten wir Fort Orange einen kurzen Besuch ab, bevor wir in einer staatlichen Schule freundlich empfangen wurden. Leider konnten wir deren Wunsch nach einer regelmäßigen Unterstützung nicht erfüllen. Computer werden händeringend gesucht, um die Kinder auf dem Weg in die digitale Welt zu begleiten. Vielleicht lässt sich da etwas organisieren?

Unser dicht gepacktes Programm führte uns noch in das pan-afrikanisch ausgerichtete Bisa Aberwa Museum, was soviel bedeutet wie „Ask the old lady“. In diesem mit sehr sehenswerten Exponaten ausgestatteten privaten Museum erhielten wir eine exzellente Führung über die Anstrengungen und den Kampf indigener Afrikaner in die Unabhängigkeit, wobei das Thema nicht auf Ghana beschränkt blieb, sondern einen weiten Bogen spannte.

Noch weitere zwei Stunden im Bus und wir erreichten schließlich das Mahaa Beach Resort, wo wir mit frischen Kokosnüssen empfangen wurden. Doch unser tägliches Studienpensum war noch nicht erledigt. Nach dem Abendessen erhielten wir zwei exzellente Vorträge: Silvester begann mit einem fundierten Vortrag über Gold in Ghana. Jörg informierte uns zum Abschluss des vollgepackten Tages über ghanaische Textilien und deren Rolle in der Kolonisierung und Dekolonisierung. 

Es war wieder einmal ein Reisetag mit einer schier unerschöpflichen Menge an spannender Information und bereichernden Erlebnissen. Und wir konnten eine weiteres Puzzleteil zu unserem Ghanabild hinzufügen.

Hubert und Silvester