Akosombo – Kumasi

Nach gutem Frühstück mit einem letzten Blick auf den Volta-Stausee machten wir uns pünktlich um 8 Uhr auf den Weg aus der Eastern Region hinein in die Asante Region. Nii’s Sprichwort des Tages lautete: “Wissen ist wie ein Garten; wird er nicht gepflegt, kann er nicht geerntet werden.”

Auf den ersten Streckenkilometern führte uns Nii in das Thema Namensgebung ein. In Ghana ist es Tradition, einem Neugeborenen  erst am 8. Tag einen Namen zu vergeben. Von Tag 1 bis Tag 7 gilt das Kind als reisender Geist, “entscheidet” es sich unter den Menschen zu bleiben (d.h. es verstirbt nicht) wird es als Person betrachtet und es erhält einen Namen. In der Kolonialzeit erhielt jeder Ghanaer einen europäischen Namen, heute vergibt man verstärkt wieder traditionell afrikanische Namen. 

Später gab uns Monika in ihrem Referat einen weiteren Einblick in den Kakaoanbau in Ghana. Speziell ging es um die Fragestellung, ob der Kakaoanbau während der Kolonialzeit auch eine Kolonialwirtschaft war. Gegen Ende des Referats beeinträchtigte großer Markttrubel außerhalb unsere Aufmerksamkeit. In Koforidua bot der Boti Falls Market ein buntes Treiben mit dicht an dicht stehenden Marktständen, -buden oder Einzelhändlern. Da unser Bus an dieser Stelle nur langsam voran kam, konnte man gute Blicke auf das Geschehen werfen.

Um 10.30 Uhr besuchten wir die Zentrale des Cocoa Research Institute. Das Institut beschäftigt ca. 1000 Mitarbeiter in mehreren Filialen. Auf dem Gelände gibt es Kakao-Pflanzungen zu Forschungszwecken. Man untersucht die Auswirkungen von Schädlingen, Krankheiten und Klimaveränderungen auf die Kakaopflanzen. Es wird daran gearbeitet resistentere Sorten zu züchten, die trotz schlechter Bedingungen weiterhin einen qualitativ hochwertigen und profitablen Kakaoanbau gewährleisten. Ein mechanisierter Anbau von Kakao auf großen Flächen wie in Côte d’Ivoire, welches zur Zeit größter Kakao-Exporteur der Welt ist, wird nicht angestrebt.

Nach halbstündiger Weiterfahrt legten wir in Bunso am Linda Dor Highway Restplace um 12:30 eine Mittagspause ein. Neben dem obligatorischen “Squeezing out” konnten wir mit lokalem Fastfood unseren Hunger stillen. Im Angebot waren verschiedene Küchlein (Meat-Pie, Vegetable-Pie, Fish-Pie), Frühlingsrollen, verschiedene Reisgerichte, süße Teilchen wie Jamrolls, Chocorolls und Scones. Dazu eine große Auswahl an Getränken. 

Danach wurde unsere Weiterfahrt um einiges holpriger. Die Straßenverhältnisse zwangen zum Langsamfahren und wir schaukelten teilweise über welligen Untergrund und durch roten Staub. Aber schließlich erreichten wir gegen 16.30 Uhr das Kente-Dorf Bamang, wo wir Einblicke in die beeindruckende Webtechnik der Kente-Herstellung erhielten. Dazu wurden uns Informationen zu Geschichte und Symbolik der Kente-Stoffe vermittelt. Glücklicherweise darf Kente heutzutage nicht mehr nur von der Herrscherfamilie, sondern von jedermann getragen werden, so dass sich einige der Exkursionsteilnehmer mit Stoffen und Kleidern eindeckten und dem Shop einen guten Umsatz bescherten.

Jörg hatte zudem die Gelegenheit, sich selbst am Webstuhl auszuprobieren und stellte sich bei der komplizierten Koordination von Füßen, Händen und Fäden gar nicht mal so schlecht an. Ein Berufswechsel stand dennoch nicht bevor, er ist immer noch Teil der Gruppe. 

Hoch entzückt aber schon ziemlich müde kämpften wir uns bzw. unser hervorragender Fahrer durch den dichten Verkehr von Kumasi und wir erreichten unser Hotel. Das Asantewaa Premier Guesthouse empfing uns herzlichst mit einem Willkommens-Snack bestehend aus Popcorn und einem Malzgetränk. Ein leckeres Abendbuffett füllte unsere Bäuche und wir konnten uns frisch gestärkt, wenn auch müde, unserer letzten Tagesveranstaltung, nämlich dem Referat von Eva widmen. 

Unter dem Titel: Kumasi, Geschichte einer Stadt wurden wir mit vielfältigen Informationen bezüglich der Asante und der Gründung ihrer Hauptstadt versorgt. Auch Fakten zur Herrscherfamilie oder zur Auseinandersetzung mit den Briten füllten unsere Wissensspeicher. Mit Bezug auf das Sprichwort vom Morgen kann man also sagen, unser (Wissens) Garten wurde am heutigen Tage umfangreich gepflegt. 

Leona und Birgit